August 2019
Um mich für das kommende Schuljahr mit seinen neuen Anforderungen an der Jazzschule ein wenig zu wappnen habe ich mal wieder ein paar Überlegungen angestellt. Und mir etwas Verrücktes vorgenommen! Ich nehme an einem 1-monatigen Einsteigerkurs für Anfänger der Jazzschule Berlin teil. Man kann ihn online bearbeiten und er kostet 250 Euro. Man erhält an 28 Tagen hintereinander jeweils eine kleine Lektion zugeschickt. Diese Einheiten beinhalten ein Video von 5 bis 15 Minuten Länge, PDFs zum ausdrucken und nachlesen mit dem Inhalt und Links zu relevanten Themen in der betreffenden Lektion. Der Zeitaufwand zusätzlich zum Ansehen und Bearbeiten derselben wird mit ca. einer Viertelstunde veranschlagt.

Bisher hat mich das Thema Onlinekurs nicht sonderlich interessiert. Im Clavioforum taucht die Frage nach solchen gelegentlich auf. Wird meistens eher in Grund und Boden diskutiert. Weil Präsenzlehrer neben einem nachhaltiger wären und unmittelbar Rückmeldung auf Fehler oder Fortschritte geben können. Sehe ich im Prinzip genauso. Nur habe ich ja eh zwei Dozenten neben mir sitzen und finde das ich durchaus mal den Versuch mit so einem Kurs wagen kann. Überschaubare Dauer und die Kosten halten sich in Grenzen! Außerdem sind gerade Sommerferien. Es finden keine Chöre und kein Klavierunterricht statt, also habe ich zusätzliche verfügbare Zeit. Ich sehe diese Jäzzchen Schule als eine Art Ferienkurs.

Ich habe zuerst einen 3-tägigen Schnupperkurs absolviert und fand den für mich ganz gut und verständlich ausgearbeitet. Es geht in der Jäzzchen Schule um so grundsätzliche Basics wie Skalen, Akkorde, etwas Gehörbildung, einfache Harmonielehre und freies Improvisieren. Und weil ich der Meinung bin das ich jede noch so kleine Anregung und Bereicherung in dieser Hinsicht aufnehmen muss, habe ich beschlossen mich an dem Kurs anzumelden.

Hatte im Clavioforum vorab mal so gefragt ob jemand diese Jäzzchen Schule kennt und mir zu- oder abraten kann. Hat sich aber niemand gerührt. Ist ja auch Ferienzeit oder hat es eh niemanden interessiert?

Gleich zu Beginn hat sich eine Schwierigkeit ergeben. In meiner Wohnung gibt es kein Internet und deshalb habe ich mir einen prepaid Datenstick gekauft. Die Übertragungsrate der Videos ist allerdings zu hoch für das Datenvolumen von dem Stick. Telefonate und Gespräche mit Congstar und der Telekom verliefen unergiebig. Die haben offensichtlich nur Interesse an Zweijahresverträgen.

Meine Problematik der Jazzschule Berlin geschildert. Die hatten so einen Fall wie mich bisher noch nicht. Sie waren aber sehr bemüht und freundlich um mir in dieser Hinsicht zu helfen. Die einfachste Lösung hat mein Mann aufgetan und mit seiner Hilfe kann ich nun die Lektionen auf meinem Laptop aufnehmen und sie mir offline ansehen so oft ich mag.

20190815 192310Die Lektionen sind überschaubar und gut verständlich aufgebaut und dargestellt. Der Leiter der Jazzschule Berlin moderiert die Beiträge und ist ein grundentspannter Typ. Ich mag seine Stimme und die unaufgeregte Art den Unterricht zu erläutern. Das Intro erklärt die Vorgehensweise und den Aufbau des Kurses. Es sollte klar sein das man nach den 28 Einheiten noch nicht alles anwenden kann. Erfahrungsgemäß könne man nach Ablauf des Kurses ca. 1/3  des Inhaltes verstehen und umsetzen. Dreht man danach nochmal eine Runde wäre vieles klarer und es steht jedem frei alle Lektionen so oft zu durchlaufen wie man mag und es für sich nötig hält.

Der Aufbau und das Prinzip der Lektionen: Hören - Singen – Spielen.

Im Einzelnen geht es um die Pentatonik, um Vorzeichen, ums Transponieren, Moll und Dur, um Grundtöne, um Intervalle und um Nachsicht mit sich selbst. "You always practise the same fundamental principles." (Bill Evans)  Immer wieder und immer wieder.

Und, das ist das eigentliche Hauptthema: ums improvisieren. In jeder Lektion gibt es am Ende ein Playback mit Melodien zum zu bearbeitenden Thema. Sie werden mit Gitarre, einem Keyboard oder von einer Bansuriflöte begleitet. Wunderschönes Instrument. Klingt ähnlich wie eine Querflöte, nur mit wärmeren Klang. Zusätzlich unterlegt mit Rhythmus oder mit sphärischen Gewabere. Dazu soll dann der Teilnehmer improvisieren.

UND: es ist kaum zu glauben, das funktioniert sogar mit mir! Ich habe zu „Sunny“ improvisiert, zu „Birks works“, zu „Dont worry, be happy“. Zuerst nachspielen ohne Noten mit dem Instrument aus dem Video der Jazzschule Berlin. Dann mit den Noten mitspielen. Dann frei ohne Instrument zum Playalong. Klar, habe ich das nicht immer besonders toll gemacht, aber es ist mir viel wieder aus meinem Präsenzunterricht eingefallen und ich konnte das umsetzen. Ich glaube mein bisheriger Dozent würde helle Tränen der Freude weinen wenn er mich hören könnte.

Ich habe auch erkannt warum mir das hier so leicht fällt. Erstens liegt es sicher daran das diese Lektionen im vertrauten Umfeld stattfinden. Da muss ich nicht aufgeregt sein. Und: ich improvisiere bisher nur in der Pentatonik von A-Moll, E-Moll, G und F. Also jeweils 5 Töne in unterschiedlichen Lagen. Das ist viel viel einfacher.
Drittens: ausschließlich mit der rechten Hand. Im Jazzpiano Unterricht soll ich währenddessen irgendwelche Akkorde, Umkehrungen oder diese Verschmelzungen mit der linken Hand spielen. Ist es zu fassen, ich merke grad ich habe immer noch keine Ahnung wie das korrekt ausgedrückt wird. Dafür alleine muß ich schon so viel Rechenleistung aufbringen. Um den Wechsel von einem Akkord zum anderen zu vollziehen. Da sind keine Kapazitäten mehr frei um irgendwas Sinn- oder Klangvolles mit der rechten Hand zu machen.

Der Kurs ist wirklich ein absoluter Einsteigerkurs. Leute die mehr Ahnung als ich haben, würden sich dabei wahrscheinlich langweilen. Die kennen sich mit den Tonleitern aus, dem Quintenzirkel, können transponieren ohne groß nachzudenken. Von einigen Dingen habe ich zwar schon aus meinem Unterricht an der Jazzschule gehört, allerdings sind diese Informationen noch nicht dauerhaft in meinen Gehirnwindungen verankert.
Im Prinzip kann ich nun erkennen wie umfassend mein Dozent seinen Unterricht mit mir aufgebaut hat. So gut wie alles was in diesem Onlinekurs angedeutet wird, habe ich in der einen oder anderen Weise schon mal in unseren Stunden kennengelernt. Eine tiefe Verneigung an ihn!!!
In der Jäzzchen Schule werden diese Themen mit anderen Worten erklärt und das führt bei mir zu neuen Erkenntnisen. Mal sehen wie nachhaltig die sind. Sicherlich wäre es gut wenn ich den Kurs mehrere Male hintereinander machen würde, dann hätte der Inhalt die Möglichkeit sich im Hirnkasterl festzusetzen. Die Einheiten zu bearbeiten machen Spaß und ich habe es keine Sekunde bereut mich dafür angemeldet zu haben.
Nebenbei, meine Entscheidung sich vor über 1 1/2 Jahren für ein offenes System bei meinem Kopfhörer zu entscheiden hat sich ebenso als kluge Entscheidung herausgestellt. Ich kann mit dem Kopfhörer sehr gut verstehen was in den Videos erzählt wird und trotzdem nachbarschaftlich-verträglich auf meinem Piano rumklimpern.

Scheinbar sind die Sommerferien immer ein Zeitpunkt, an dem mir etwas Neues einfällt was ich unterstützend noch machen könnte, um mir das Leben, naja, in diesem Fall den Unterricht an der Jazzschule ein wenig zu erleichtern. Mal sehen ob das mit dieser Aktion ein wenig klappt.

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