Mai 2019
Momentan habe ich Probleme an beiden Handgelenken. Sie entstehen ausnahmsweise nicht durchs Klavierüben oder vom vielen Arbeiten.

Das Üben am Klavier ist fast auf Null heruntergefahren. Ich habe meinem Bruder für die Dauer seines Aufenthaltes hier in Deutschland meine Wohnung samt Klavier, zur Verfügung gestellt. Somit habe ich zur Zeit wenig Möglichkeit zu üben. In der Arbeit gibt es diverse Krankheitsfälle, dafür gehen die freien Tage drauf oder es müssen zusätzliche Abend- und Wochenenddienste übernommen werden.
Habe deshalb für zwei Wochen beide Klavierstunden absagen müssen.

Die Schmerzen an den Handgelenken kommen tatsächlich vom Singen! Die Partituren für das Verdi Requiem, Mendelssohns Elias und die Schöpfung von Haydn sind sehr umfangreich und deshalb schwer. Während einer normalen Probe unter der Woche habe ich nie einen Notenständer dabei, das rentiert sich nur für ein Chorwochenende. Aber auch für nur zwei Stunden kann das Halten der Klavierauszüge für die Handgelenke eine ziemliche Belastung sein. Zumal ich ja an drei Abenden hintereinander in unterschiedlichen Chören sitze.

In der Jazzschule machen wir weiter mit der Harmonielehre. Vielleicht ist das nicht ganz so frustrierend für den Dozenten weil ich eh nix gscheids spielen kann. Neben seinem musikalischen Talent ist er auch ein exzellenter Theoretiker. Rhythmisch und strukturell unerschütterlich wie mir scheint.

Er versucht mir die Tonarten vertrauter zu machen und die Akkorde plus ihre Umkehrungen werden wieder stärker thematisiert.

Er frägt: Welche Tonart ist das? Ich: "Keine Ahnung!" Er: Was für eine Akkordumkehrung? Ich: "Äh, keine Ahnung!" Er: Ist das nun Dur oder Moll? Ich: "Seufz. Keine Ahnung!"
Unterricht mit mir muss für einen Dozenten manchmal schon auch ein wenig frustrierend sein.

Aber das ist keine Absicht. Ich weiß es oft wirklich nicht. Ich müsste raten und fühle mich schlecht wenn ich daneben geraten hätte. Manchmal aber rate ich versehentlich richtig, weiß aber nicht genau weshalb es nun richtig ist.

In der vergangenen Stunde war ich deswegen etwas genervt und musste ihn fragen ob wir heute "lustige" Ratespielchen zusammen machen. Danach hat er sich mit weiteren Fragen zusammengerissen.

Ich wollte auch mal ein wenig frech sein und habe beiläufig gesagt: So. Sollte mich jemand mal fragen: "Und? Wie ist der Unterricht bei deinem Pianolehrer so?“ Dann werde ich antworten: "Er hockt grundsätzlich zwei Meter hinter mir; ich weiß gar nicht so genau wie er aussieht. Und stellt immer tiefgreifende harmonische Fragen bei denen du dein hübsches Köpfchen selbst zerbrechen sollst. Geh mal stark davon aus das du dein Hirn in Betrieb nehmen musst wenn du bei ihm Unterricht hast. Es wird erwartet das du selber nachdenkst!“

Und das finde ich im Prinzip auch gut. Selbstverständlich ist es auf Dauer nachhaltiger wenn ich selber auf die Lösungen komme oder eigenständig Zusammenhänge erkennen kann. Wenn das nur nicht so verdammt kompliziert wäre. Denn sicherlich ist es für einen Lehrer schwer die Balance zu halten zwischen Fordern und Begleiten.

20190622 151326Manchmal hoffe ich das mir der Klavierpädagoge bei der einen oder anderen Sache helfen kann. Aber das funktioniert nur bedingt. So richtig als Nachhilfelehrer für den Jazzklavierunterricht will er sich nicht missbrauchen lassen. Es interessiert ihn auch nicht. Also versuche ich ihn nicht zu häufig mit Aufgabenstellungen aus diesem Bereich zu belästigen.

Bei ihm verläuft der Unterricht mit weniger Rätselraten und Fragen. Da werden Töne, Tondauern geübt und Ausdruck. Leider herrscht in allen drei Bereichen noch Handlungsbedarf. Übezeit ist notwendig und der Ausdruck, naja, läßt auch noch sehr zu wünschen übrig.

Die 4 – händigen Stücke von Diabelli gefallen mir aber sehr. Sie sind melodisch und oft kann ich durch den begleitenden Rhythmus vom KL erkennen ob ich zu schnell oder zu langsam bin. Das zwingt mich die Tondauern genauer zu beachten. Gelingt mir alleine meist nicht so gut.

Trotzdem bin ich auch bei diesen Stücken etwas anarchistisch und zwinge ihn gelegentlich schneller oder langsamer mit mir zu spielen, während mir es erst mal nur drauf ankommt die richtigen Töne zu treffen.

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