März 2019

Um das Thema „Beautiful Love“ endlich abzuschliessen. Die Aufgabe mit dem Bezeichnen der Notenwerten, Pausen und den „und´s“ habe ich zu meinem großen Erstaunen richtig gelöst. GottseiDank.

Wir haben noch mal die Rhythmen geklopft. Mein Pianolehrer hat wirklich eine Engelsgeduld. Ich kann nur vermuten, wieviel Kraft das kostet, jemand anderen etwas beizubringen, was einem selbst ganz leicht fallen mag. Ich konnte auch ruhig bleiben. So verlief dieser Teil der Stunde in einer Art „flow“; es war fast beruhigend einschläfernd.

Dann nochmal die Melodie versucht mit dem Grundton. Rhythmisch vielleicht etwas richtiger. Immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen kreative Verspieler. Es ist zum Verrücktwerden.

Daheim habe ich einige Tage mit dem Gedanken gespielt, ob ich den Pianodozenten nicht um konsequente wöchentliche Rhythmusübungen bitten soll. In mir gibt es das mehr als bestimmte Gefühl es könnte auf Dauer gesehen doch recht hilfreich sein. Mich in dieser Hinsicht sicherer fühlen. Die unsinnige Angst loswerden zu klatschen, zu klopfen oder mit dem Fuß zu stampfen, wenn man beispielsweise im Raum umher geht. Was auch immer.

Das wünschte sich der Teil von Claudia, der noch ein wenig die Courage aus den Jugendtagen beibehalten hat. Die damals völlig furchtlos auf die höchsten Bäume klettern konnte. Höher hinauf als mancher Junge. Ich war leicht, wendig und auch mutig.
Der Teil von mir, der überlagert von einer altmodischen Erziehung zum Extrem-Bravsein und durch 40–jähriger Sozialisation zur Angepasstheit geschliffen wurde, hat feige wieder Abstand von diesem Vorhaben genommen.

Ehrlich, ich wollte ja eigentlich nur etwas Klavierspielen lernen. Das ich mir im Zuge dieses Vorhabens die ganze Zeit Gedanken über mich machen muß, damit habe ich nun nicht gerechnet. War wirklich nicht geplant! Das ich zudem diese Gedanken und Gefühle auch zulasse und ihnen Raum zum Ausbreiten gebe. Überfordert mich ständig. Und überrascht mich in vielerlei Hinsicht, unter anderen auch deshalb weil ich gestattet habe, das diese im Alltags- und Familientrott übersehen und nicht beachtet werden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, das ich darüber wieder in Kontakt mit mir selber trete. Kaum zu glauben was für Auswirkungen das Klavierspielen auf mein Leben hat!

Daheim weiter geübt. Heimlich versucht die Akkorde in die Melodie mit einzubauen. Im Zeitlupentempo. Nur einen Takt, dann der Übergang zum nächsten. Unmöglich beides zu vereinen. Zumindestens nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Vielleicht gäbe es ein paar Zwischenschritte zu beschreiten, damit Finger und Geist die Möglichkeit haben sich der Aufgabe anzunähern.
Ich schicke eine Mail an den Dozenten. Mit dem Eingeständnis meiner Niederlage. Und ihn gebeten, etwas leichteres für mich zu finden. Am besten was vom Schwierigkeitsgrad zwischen „Alle meine Entchen“ und „Hänschen klein“. Er hat tatsächlich was aufgetrieben! Fast wollte ich schon beleidigt sein, weil es mir wirklich so einfach erschien.
Aber er ist ja findig wie ein Fuchs. Denn trotz der einfachsten Fassung von „Scarborough Fair“ gibt es Raum für viele zusätzliche Aufgaben darin versteckt. Für den Anfang rechts die Melodie, links der Grundton. Dann links die Quinte, dann trifft die Quarte wieder den Grundton. Es wechseln sich vier unterschiedliche Töne ab. Das kann ich schaffen. Und ich mag die Melodie sehr.


FloeteMeine elfengleiche Tochter hat dieses Lied auf ihrer Querflöte spielen können. Der fein ziselierte und schwebende Klang einer Flöte passt so gut zu den zarten Tönen des Liedes. Ich habe es sehr genossen, wenn sie auf dem Instrument geübt hat. Sie war jung, grade neun Jahre alt, als sie für sich die Querflöte ausgesucht hatte. Sie war sich sicher das auf diesem Instrument die Engel im Himmel spielen. Wir mussten ein gebogenes Kopfstück mitkaufen, weil sie noch zu klein war um sie mit ihren kurzen Ärmchen richtig halten zu können. Sie hatte eine ganze Weile große Freude daran. Das Trocknen und Putzen der Teile war immer meine Aufgabe, das mochte sie gar nicht. Das ist aber für eine Mutter nicht so schwer, auch weil ich ihr Üben und das Spielen der Übungsstücke sehr geliebt habe. Später hatte sie nicht mehr so viel Gefallen daran. Sie gab die Flöte auf um mit dem Klavierspielen anzufangen. Die Querflötenlehrerin hat uns geraten sie aufhören zu lassen. Sie sagte, wenn wir sie zwingen weiterzulernen wird sie die Flöte hassen lernen. Irgendwann setzt sie sich auf jeden Fall durch und sie wird das Instrument nie wieder anschauen wollen. So aber besteht die Möglichkeit das sie sich später positiv an das Instrument erinnert und sich ihm wieder zuwenden kann.

Das Klavierspielen fand sie dann nach einiger Zeit auch nicht mehr so inspirierend. Selbst Yiruma und Yann Tiersen konnten sie nicht locken. Die Pupertät mit ihren Verwirrungen und Ablenkungen hat sie sehr in Anspruch genommen und es waren andere Dinge viel viel wichtiger. Muß man auch verstehen können und wir haben sie nicht weiter dazu gezwungen.

Seitdem haben wir im Haus ein altes, gratliges, völlig verstimmtes und verstaubtes Klavier im Keller stehen. Der Klavierstimmer hat sich geweigert es ein weiteres Mal für uns zu stimmen. Und die Flöte ruht sanft in ihrem samtnen Futteral im Dämmerschlaf und wartet auf kundige Finger die ihr erneut schöne Töne und Melodien entlocken wollen.

Go to top