Februar 2019
Ach. Ich habe ja befürchtet das so was wieder mal eintreten muß. Beautiful Love stellt mich vor eine sehr große Herausforderung. Dieses im Prinzip so harmlose kleine Liedchen zeigt mir erneut deutlich meine eigenen, eng umgrenzten Fähigkeiten auf. Und das Scheitern wartet weiterhin lauernd hinter der Türe.

Ich kann die Akkorde isoliert schon fast ganz gut anschlagen. Ich spiele sie auswendig und kümmere mich weder um Dynamik oder Notenwerte. Hauptsache meine Finger treffen die richtigen Töne. Und das klappt immer öfters.

Die Melodie ist aber doch anspruchsvoller, auch wenn es nicht so aussieht. Sicherlich ist die Fassung an der ich übe, eine vereinfachte Fassung. Bin ja immer noch Anfängerin. Trotzdem bekomme ich sie rhythmisch einfach nicht hin. Es gibt, ich weiß nicht ob ich die richtigen Worte finde, nennt man das einen Vorhalt? Es ist ein Ton mit einem Bindebogen auf den gleichen Ton zum nächsten Takt und ich muss im richtigen Moment den Grundton dazu anschlagen? Keine Ahnung wie es korrekt benamt wird, aber ich bekomme es einfach nicht hin.

Ich sollte das Lied in der Unterrichtstunde nur mit Grundton spielen. War ein wenig eingebildet, weil ich von mir glaubte es schon einigermaßen richtig zu spielen. Aber das ist typisch, kaum habe ich bei einem Stück das Gefühl das es mir leicht fällt und sich schon ganz nett anhört, dann kommt das böse Erwachen garantiert.

Das Resultat meines Versagens war das ich eine Art Rhythmusdiktat in mein Heftl hineingeschrieben bekommen habe und nun soll ich die Tondauern und die „und“ hinein bezeichnen.

Großartig. So was habe ich freudig erwartet.

Die Krönung war dann das ganz und gar nicht rhythmische Klopfen von mir auf dem Oberschenkel plus dazu laut zählen. Das Ganze ist so nur minimal besser als in die Hände klatschen. Zu klatschen und zu zählen. Und am besten dabei nicht die Nerven verlieren. Das sind drei Dinge zu viel für mich. Es hilft auch nicht viel wenn mein Dozent mir das Ganze vormacht oder mit mir klatscht. Ich versage in dieser Hinsicht auf ganzer Linie.
Mein Lehrer hat wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch meinerseits schon aufkommen sehen und mich zweimal gebeten doch bitte jetzt keine Panik zu bekommen.

Das war wieder mal eine recht frustrierende Stunde. Ich hatte schon ganz vergessen, wie so was noch mal ablaufen kann.

Sicher hat mein Pianolehrer es gut mit mir gemeint. Wahrscheinlich hat er sich gedacht, nun soll sie mal ein bekanntes Lied spielen lernen. Das ein Zuhörer dann im Idealfall auch erkennen kann. Ein richtiges Lied, so wie man das an einer Schule für Rock, Pop und Jazz halt spielen erlernt. Sicherlich hat er auch kein besonders schweres rausgesucht. Eines das ich im Prinzip von den Noten her stemmen könnte.

Was kann er dafür, das ich für so was nicht geeignet bin.

Ich wollte nicht zu lange warten und schon am nächsten Tag habe ich versucht die Lösung ins Heft hinein zu schreiben und es richtig zu spielen. Ich dachte mir, so ist es noch frisch im Gedächtnis und es fällt mir vielleicht einfacher. Aber nun geht gar nichts mehr. Ich schaffe es nicht einmal halbwegs die wenigen Takte der Melodie ohne Fehler zu spielen.

Ich verspiele mich ständig. Und mache immer und immer wieder die gleichen Fehler. Wenn ich eine zehnmal eine Zeile spiele und ich verspiele mich dabei neun Mal davon, frage ich mich schon mit welchem Material mein Kopf gefüllt ist.

Und dann gibt es ja Verspieler die logisch sind, die zu erwarten wären. Die ein Profi voraus sagen kann. Ich hingegen schaffe es Fehler einzubauen auf die man erst mal kommen muß. Ich habe diese hübsche kleine Melodie so oft auf so vielfältige Weise falsch gespielt das ich sie dabei schon fast getötet habe.

Nun lag mein Selbstwertgefühl erneut ermattet und mutlos am Boden. Ich war so erschöpft von dem Wissen das meine begrenzte Aufnahmefähigkeit, mein wackeliges Rhythmusgefühl und mein Untalent so schnell und deutlich zum Vorschein tritt. Sobald ich nur ein wenig gefordert werde. Und mir wieder die große große Frage stellen müssen, ob ich nicht zu optimistisch oder auch zu einfältig war als ich mich an einer Jazzschule angemeldet habe.

20190313 131216Habe mich ins Bett legen und ganz klein zusammenrollen müssen um den Schmerz über meine Erkenntnis geringer machen zu können.

Als ich unter meiner Decke vor mich hingejammert habe, ist ein klitzekleiner Gedanke aufgetaucht. Kaum das ich ihn zu erkennen vermochte. Ich konnte ihn gerade noch so ergreifen; ganz durchscheinend war er. Dieser Gedanke sagte mir: „Richtig, das alles kannst du jetzt noch nicht so gut. Aber das heißt ja nicht, daß du es nicht erlernen kannst. Es wird länger dauern, aber du kannst es erlernen“.

Mir ist eingefallen, das das mit den Akkordwechsel schon ein wenig leichter geht, das ich Noten immer öfter richtig erkennen kann, in Folge auch richtig auf der Tastatur treffe, manche Melodien auswendig kann, häufiger beim Verspielen dann von bspw. Takt 8 weiterspielen kann und nicht wie früher wieder von Beginn anfangen muß, gelegentlich selbstbewusster, das heißt lauter die Tasten drücken kann und mich nicht mehr so viel vor den falschen Tönen fürchte.


Ich habe es geschafft mich mit diesen Gedanken wieder aufzurichten. Und bin danach mitten am Nachmittag wie ein kleines Baby durch mein eigenes gutes Zureden eingeschlafen und mit glänzender Laune nach einer Stunde wieder aufgewacht!

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