Für die nächste Stunde hat mein junger Dozent etwas 4-händiges für uns geschrieben. Während er gefrühstückt hat, zwischen erster und zweiter Semmel. Seine Worte! Natürlich hat er vergessen, daß die Worte „leicht“ und „eingängig ins Ohr“ bei Auftragserteilung verwendet wurden.

Dieses Stück ist geradezu das Paradebeispiel vom Gegenteil. Es fängt tonal harmlos an, rhythmisch leider gar nicht und wird über zwei Seiten lang immer ungewöhnlicher. Am Ende entdecke ich mein erstes „b“. Der Komponist hat selber zugeben müssen das es schwerer geworden ist als geplant. Immerhin. Ich will aber nicht meckern, weil ich sehr froh bin das er den Vorschlag aufgegriffen hat und dies sonst kein zweites Mal mehr machen würde. Außerdem denke und hoffe ich, das er mir zutraut diese Schwierigkeiten dann auch lösen zu können. Was ja auch ein verstecktes Lob sein kann.

cube 2394646 1920Ok. Nun kämpfe ich mich durch nicht so ganz eingängige Harmonien, rhythmische Fallen und bin sicher das es wenigstens noch drei Monate dauern kann bis es sich halbwegs richtig anhören wird. Bis dahin wird mein neuer Berufs-Dozent vermutlich viele Male bedauert haben, daß er sich nicht etwas einfacheres für mich hat einfallen lassen.

Aber das hat nicht die ganze Unterrichtseinheit beansprucht. Mir wurden Jazz Kadenzen vorgestellt. Das sind Akkordverbindungen und die stehen immer als II - V - I Stufe da. Sie können sowohl in der Durtonleiter als auch in der Molltonleiter angewendet werden.

Bin nicht sicher ob ich die richtigen Worte finde um das Ganze korrekt zu beschreiben.

Diese Septakkorde kann und soll ich abwechselnd in der Septlage und in der Terzlage spielen. Zu meiner Überraschung habe ich diese Aufgabenstellung gar nicht so schwer gefunden. Abwechselnd beide Lagen ausprobiert. Dann das ganze von A aus. Warum nur von A aus? Kommt mir grad so in den Sinn: ich habe keine Ahnung weshalb von A aus.

Von D aus kommt mir diese musikalische Bewegung bekannt vor. Es gibt ein Lied von Sergio Mendez, das von den Black Eyed Peas neu interpretiert wurde: "Mas que nada". Der Anfang klingt ähnlich wie diese Stufen. Nicht ganz genau, ich habe noch mal reingehört, aber ich erkenne die Idee dahinter.

Diese Erkenntnis begeistert mich, weil ich mir vom Klavierspielenlernen auch erhoffe musikalische Zusammenhänge leichter zu erkennen.

In die Chorpartituren aus den Chören schreibe ich nicht nur meine Kürzel von den Wünschen und Anordnungen des Chorleiters zur Interpretation des Werkes hinein. Ich versuche bei Beginn des Satzes alle vier Anfangstöne der einzelnen Stimmen als Akkord zu erkennen und aufzuschreiben. Notiere mir wenn es beispielsweise von e moll auf a dur geht. Je weniger die Altstimmen proben um so mehr steht von meinen privaten Studien zwischen den Systemen. So nutze ich die Zeit und störe die Probe nicht durch Geschwätz.

Das klingt vielleicht etwas streberhaft, aber ich bin so hungrig nach weiteren Herausforderungen. Und eigentlich geht es mir in meinem musikalischen Fortkommen viel zu langsam voran.
Dafür macht es nun umso mehr Spaß. Auch wenn es mitunter hart ist. Bin ja kein unentdecktes Talent, das man nur ein wenig kitzeln muß damit es loslegen kann. Das ist eine anstrengende aber erfüllende Beschäftigung für mich und ich wünschte so sehr ich hätte mehr Zeit neben der Arbeit zur Verfügung um mich intensiver darauf einlassen zu können.

Aber jetzt habe ich diese Strategie mit zwei unterschiedlichen Unterrichtsansätzen, zwei sehr verschiedenen Lehrern und gegensätzlichen Input um genügend Nahrung zu erhalten. Ich kann es selber kaum fassen was ich da grad mache.

Mein größtes Problem bei der ganzen Sache ist, das der Kopf alles, gleich und ganz viel wissen und haben will. Aber von diesem Willen kommt leider nicht so viel in den Fingern an. Das macht mich unzufrieden, manchmal auch traurig. Weiß aber im Innern das all das Jammern und Zagen eh nix bringt. Die Lösung heißt „Geduld“ und „fleißig üben“. Wahrscheinlich ist das schon eine Million mal gesagt oder geschrieben worden. Diese Aussage bringt also nichts Neues auf diese Erde.

Es wäre nur hilfreich wenn ich lernen könnte mit dieser Erkenntnis klar zu kommen.

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