Hybris (Übermut, Anmaßung) bezeichnet eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts. Man verbindet mit Hybris häufig den Realitätsverlust einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Kompetenzen, vor allem von Personen in Machtpositionen. (Ok. Eine Machtposition nehme ich generell eher weniger ein). Auf die menschliche Hybris folgt häufig die göttliche Bestrafung durch Nemesis, welches schließlich zum Fall und Tod des Protagonisten führt. (Naja, wir befinden uns in einem Klavierblog, es muß hier also um kein Leben gefürchtet werden.)

ausdemgedächtnisIch war schon ein bißchen begeistert von meiner eigenen kleinen Komposition. Bin sogar so verwegen gewesen, das ich überlegt habe auf der Internationalen Chorwoche in Krems erstmalig die Kompositionsklasse zu belegen. Kenne zwar noch nicht alle Noten, kann aber trotzdem Musik entwerfen. ;-)


Beim ersten selbstgefälligen Vorspielen in der Stunde aber gleich der tiefe tiefe Fall. Was für ein herber Rückschlag. Am Anfang hat sich der C-Akkord links und das "a" mit rechts schon sehr seltsam angehört. Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher ob ich den richtigen Akkord angeschlagen habe, dann ob ich in der richtigen Lage bin, ob ich rechts in der richtigen Lage bin und ob das "a"  auch wirklich ein "a" ist. Alles Weitere hörte sich auch furchtbar falsch an. Habe rumgesucht, bin panisch geworden. Dann wurde es richtig schlimm. Ich konnte gar nichts mehr spielen. Gar! nichts! mehr! Meine Nerven waren nicht mehr existent!  Nicht einmal "Townhouse Square", das ich sogar im Dunkeln auswendig spielen kann. Wenn ich gut drauf bin. Mein Klavierlehrer hat mir fast leid getan, er ist so jung und meiner Panik hilflos ausgeliefert.

Kann im Nachhinein nur vermuten was da los war. Ich übe fast ausschließlich mit Kopfhörer um akkustisch mit meinen ungeschickten Versuchen niemanden zu belästigen. Aber mir ist schon aufgefallen das die Töne aus dem Hörer ein bisschen anders klingen als wenn ich ohne Hörer spiele. Dann denke ich, das die Klaviere in der Schule von den vielen Händen der Studierenden bedeutend mehr strapaziert werden als mein digitales Piano. Vielleicht sind sie auch anders gestimmt. Auf jeden Fall hat mein Erschrecken über diesen ungewohnten Klang dazu geführt, das ich meinen kleinen musikalischen Entwurf nicht mehr erkannt habe um ihn mit dem nötigen Selbstbewusstsein anzustimmen. Und dann war ich verwirrt und so gestresst das ich nichts mehr auf die Reihe gebracht habe.

Zuhause habe ich meinen Wunsch Klavierspielen zu erlernen noch mal länger und genauer einer intensiven inneren Prüfung unterzogen. GottseiDank habe ich noch ein Zipfelchen Rest-Mut und Motivation finden können und mich damit aus meinem Sumpf von Selbstanklage, Jammer und Frust herausziehen können.

Ich habe mir ein kleines Programm mit dem man Noten setzen kann auf Vorschlag vom KL herunter geladen. Es heißt MuseScore und ist ein freies Programm welches auch für einen Anfänger nicht allzuschwer zu bedienen ist. Es ist ein "click and drag" Programm und man kann sich am Ende dann über eine Art Synthesizer anhören was man gesetzt hat. Das ist für mich wirklich sehr praktisch, weil ich selbst kontrollieren kann wie das Stück auch rhythmisch richtig klingen soll.
Damit habe ich meine kleine Eigenkomposition gesetzt und sie ausgedruckt um sie in der nächsten Stunde präsentieren zu können. Diese Handlung hat mich beruhigen können. Ich hatte das Gefühl etwas geschafft zu haben und das hat mir dann wieder gute Laune gemacht. So einfach war das.

Damit erfreue ich auch den Klavierlehrer, weil es auf dem Ausdruck für ihn einfacher zu erkennen ist, was ich eigentlich mit meiner musikalischen Überlegung gemeint habe. Habe Tempiwechsel, Stakkatopunkte und Legatobögen mit hineingebaut. Was er lobend erwähnt hat. Finde ich selbst ein bisschen affig: kann noch nicht mal alle Noten aber benutze schon Artikulationen. Und dann kann ich meine eigenen Vorschläge noch nicht einmal ordnungsgemäß spielen.
Naja. Es ist erst die siebte Stunde. Das darf ich nicht vergessen.

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