Weshalb brauche ich jetzt eine Rechtfertigung für das Anlegen meines Blogs? In einer gewissen Weise schrecke ich davor zurück, meine Gedanken und Gefühle in schriftlicher Ausführung und dazu auch noch im Netz zu veröffentlichen. Wieviel Bla-Bla ist da schon zu lesen, zu ertragen und zu verurteilen.

Kommt mir einerseits vermessen vor; wer interessiert sich denn schon für die Erfahrungen und Innerlichkeiten einer Klavierschülerin? Egoistisch und profilsüchtig sind meist die Ausflüge in die Introspektion! Ist ja fast wie ein Tagebucheintrag, sooo spannend ist das für andere nicht immer zu lesen.
Ich bin nach wie vor am Schwanken ob ich das Projekt mit dem Blog nicht besser vergessen sollte. Und mich dafür lieber auf das Klavierspielenerlernen selbst konzentrieren sollte. Auf der anderen Seite fänd ich es ganz spannend von einem ähnlich gelagerten Fall wie dem meinen zu lesen. Der mir Mut machen, helfen und mich motivieren kann.

Als ich auf der Suche nach einem Mut-mach-blog war, keinen gefunden und spaßeshalber angedroht habe,  einen selber zu schreiben, war mein Mann von der Idee freundlicherweise schnell begeistert. Er hat mir, bevor ich ausführlicher darüber nachdenken konnte, eine Web Adresse gekauft und eine Homepage eingerichtet. Vielleicht so schnell um mich zu hindern den Blog wieder bleiben zu lassen. Jetzt hänge ich erst mal drin!

Meine Tochter hat auf meine Zweifel gesagt, „Nimm dich doch zur Abwechslung auch mal wichtig“.

Mir gefällt andererseits die Idee die einzelnen Schritte und Phasen zu meinem kühnen Plan ein wenig verfolgen zu können. Die Erfahrung zeigt ja, das man später nur noch Teile der Erlebnisse in Erinnerung behält. Das große Ganze zerfällt. Einzelne Momente werden konserviert.
Selbst wenn ich mit meinem Versuch grandios scheitern sollte, kann ich immerhin auf einen Verlauf blicken der mir noch mal vor Augen führt, wie es dazu gekommen ist. Und wie es mir dabei ergangen ist. Ein wenig Selbstkontrolle kann ich natürlich über dieses Medium auch ausüben. Keine Ahnung wie motiviert ich mich erweise oder ob ich schnell das Handtuch werfen werde. Das könnte spannend werden.

Closeup Piano 451879Und ich muss mir nicht vorwerfen, das ich es nicht wenigstens ausprobiert habe. Meist hat man ja ein vages Bedauern über verpasste Chancen, die die Entschuldigung liefern dieses oder jenes nicht gemacht zu haben.

Meine Mutter kommt aus einer musikalischen Familie. Alle haben unterschiedliche Instrumente gespielt, gemeinsame Hausmusik war ein abendlicher Zeitvertreib. Mein Großvater gesegnet mit dem absoluten Gehör, was sich für den Rest der Familie als anstrengend erwiesen hat. Für meine Mutter, die ein ziemlicher Freigeist und motorisch eher am Bäume-rauf-klettern interessiert war, die Klavierstunden eine Qual. Sie hat sich damals geschworen solches ihren eigenen Kindern zu ersparen. Man möchte es ja immer besser machen als die eigenen Eltern. Was kann sie dafür das es bei ihren Kindern vielleicht ganz anders verlaufen wäre.
Da kann ich ihr keine Vorwürfe machen.  Das wäre zu einfach. Bin ja wie eingangs erwähnt, nun schon erwachsen und längst für mich selber verantwortlich. Und Kraft und Lust, vielleicht auch die Leidenschaft das Klavierspielen zu erlernen, wären in mir vorhanden. Aber trotzdem, ich kenne meine Mutter gut, und weiss deshalb sehr genau das sie es für kompleten Wahnsinn halten wird, wenn ich ihr von diesem Vorhaben erzählen werde.

Aber nun werde ich aktiv. Es kommt mir dabei fast so vor als wenn ich in einen neuen Lebensabschnitt trete. Und verspüre eine gewisse freudige Aufregung weil ich mich mutig genug fühle zwei komplet neue und fremde Tätigkeiten in mein Leben zu integrieren. Das Klavierspielenerlernen. Weiterhin meine Fortschritte oder aber auch den Stillstand mit dem Blog zu analysieren. Vielleicht blitzt da der eine oder andere Glücksmoment hervor oder aber auch tiefe Verzweiflung weil ich nicht so kann wie ich gerne würde.

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